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Thema ohne neue Antworten

Gehörbildung


Autor Nachricht
Verfasst am: 02. 03. 2012 [00:38]
Guitarman
Themenersteller
Dabei seit: 23.08.2007
Beiträge: 108
Wer hat Grundlagen, Tipps, Tricks und Kniffe zum Thema Gehörbildung? Wie sollte man sein Gehör am besten/effektivsten trainieren? Und was soll duch Gehörtraining genau "trainiert" werden. Was ist der genaue Zweck (z.B. eigene Ideen besser umsetzen, besser jammen,...???? Eine genaue Anleitung, wie man das Thema angeht usw. wäre super.

https://thehomerecordingsessions.bandcamp.com/
Verfasst am: 02. 03. 2012 [09:57]
arky
Moderator
Dabei seit: 21.04.2009
Beiträge: 329
Das Thema ist in Schriftform etwas schwierig zu behandeln. Genaue Anleitungen kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Außerdem hängt das auch davon ab, mit welcher Musik sich der Einzelne beschäftigt bzw. wofür die Höreigenschaften benötigt werden.
Ich habe folgende Phänomene aus eigener Erfahrung festgestellt:
- Das Gehör entwickelt sich automatisch, einfach durch die Beschäftigung mit Musik (passiv wie aktiv). "Automatisch" heißt aber nicht, dass an ohne etwas beizutragen auf einmal "goldene Ohren" erlangt. Das TEMPO dieser Entwicklung kann sehr unterschiedlich sein und hängt direkt davon ab, wie intensiv man (zu)hört, auf welche Details man achtet, als weiterer Faktor kommt wahrscheinlich noch die natürliche Veranlagung hinzu.
In meinem Fall hat sich mein Gehör in meiner Anfangszeit als (E-)Gitarrist um einiges später entwickelt als meine Spielfähigkeiten, zu dieser Zeit waren meine Finger meinen Ohren um mehrere Jahre voraus. Klingt blöd, aber wer diese Erfahrung auch gemacht hat (evtl. andere Instrumente), kann das nachvollziehen. Nach etwa 3-4 Jahren habe ich dann gemerkt, dass mein Gehör "feiner auflösen" konnte. D.h. ich habe Notenhöhen, Rhythmik/Notenlänge und auch Nebengeräuschverhalten (sauberes vs. unsauberes Greifen) viel besser erfassen und somit auch beurteilen können. Erst ab diesem Zeitpunkt konnte ich somit an Schwächen arbeiten, die mir vorher schlicht nicht aufgefallen sind - weil die Ohren noch nicht "genau genug" waren.

Man kann das Gehör auf bestimmte Bereiche schulen, wenn man diese Bereiche vorübergehend in den Fokus rückt und sich verstärkt damit beschäftigt.

Mögliche Bereiche wären:
- Tonhöhe/Pitch: Ist ein Bending korrekt? Zu hoch, zu tief? Ist die Gitarre gestimmt?
- Rhythmus: Stimmt das Timing? War diese Note zu früh/zu spät?
- Intervalle/Harmonik
- Dynamik: Spiele ich mit gleichmäßiger/kontrollierter Lautstärke?
- "künstlerischer Aspekt": Wie "klingt" das Gespielte für einen Zuhörer, kommt es genauso (subjektiv gut klingend) an wie der Spieler sich das vorstellt? Wenn diese Fähigkeit zum "realistischen Hören/Einschätzen" schlecht entwickelt ist (siehe viele Talent-Shows), schätzt sich der Betreffende evtl. viel besser ein als das Klangergebnis tatsächlich ist.

Ich habe festgestellt, dass sich bei meinen Ohren die Bereiche verbessert haben, auf die ich mich zeitweise konzentriert habe. Und dabei bin ich nie danach vorgegangen, mein Gehör gezielt schulen zu wollen, sondern immer zufällig, weil ich immer wieder diverse spielerische Aspekte in den Fokus gerückt habe. Die Tonhöhenerkennung hat sich relativ früh gebildet, die Rhythmik/Timing dagegen erst später und daran arbeite ich immer noch. Hier hilft es mir, dass ich mit Schlagzeug angefangen habe.

Die Hörgenauigkeit kann wie gesagt verschieden ausgebildet sein. Ein Freund von mir ist Klavierbauer und hat ein tolles Hörvermögen in Sachen Tonhöhe. Er spielt Bass und sollte daher eigentlich auch ein genaues Rhythmusgefühl haben. Dort waren aber noch Schwächen vorhanden, was wir erst bei einer Recording-Session in meinem Homestudio so richtig bemerkt haben. Das war erst einmal eine Schock-Erfahrung, aber dieses Bewusstsein, dass in dem Bereich Schwächen vorlagen, hat ihm geholfen, sich in wenigen Wochen immens zu steigern. Nur als Beispiel, dass das Gehör - bzw. im Zusammenhang mit dem Bewusstsein, beim Hören auf bestimmte Details zu achten - sich auch innerhalb kurzer Zeit in Einzelpunkten stark steigern kann.

Das Gehör sollte in diversen Bereichen möglichst gut ausgebildet sein, im Endeffekt kommt es auf die Gesamtheit und Ausgewogenheit der einzelnen Bereiche an. Es sollte nirgendwo eine große Schwäche vorliegen. Beispiel Studiomonitore: Wie soll man einen Mix "gut" gestalten, wenn die Monitore Details des Ausgangssignals verwaschen/unterschlagen, weil der Frequenzgang zu unlinear ist? -> Das Werkzeug muss stimmen, um damit präzise arbeiten zu können. Im Endeffekt sollte das Gehör mindestens reichen, um besser zu hören als das Publikum, oder um Musikmischungen vernünftig zu beurteilen (hier spielt der subjektive Geschmack eine große Rolle).

Im Handel sind diverse CD-Sets zum Thema Gehörbildung erhältlich. Manche davon sind für Recording-Zwecke ausgelegt, andere für Sänger usw.
Verfasst am: 03. 03. 2012 [21:59]
Guitarman
Themenersteller
Dabei seit: 23.08.2007
Beiträge: 108
Ich habe mir das hochgelobte Programm Earmaster Pro geholt und habe bei vielen Übungen so meine Probleme. Ich befürchte, dass es aber an den billigen Midisounds liegt. Z.B. beim heraushören der Kadenzen. Dort scheitere ich grandios im ersten Level. V - I Verbidungen raushören. Der erste Ton ist immer Dur, der zweite Moll oder Dur.
Problem: Nach dem falschen Lösen einer Aufgabe, kann man sich sowohl die falsche, wie auch die richtige Lösung anhören (also einmal V - I und V - I moll) Dabei höre ich aber nur schwer bis gar nicht den Unterschied. Auf der Gitarre hingegen, höre ich den Unterschied ganz eindeutig. Liegt das an meinen Ohren oder haben mehrere Personen Probleme mit den Midisounds???

Gibt es Übungsalternativen? Sich die Sachen selber auf der Gitarre vorzuspielen ist ja relativ witzlos, da man ja weiß, welche Akkorde man greift.icon_wink.gif

https://thehomerecordingsessions.bandcamp.com/
Verfasst am: 03. 03. 2012 [22:28]
arky
Moderator
Dabei seit: 21.04.2009
Beiträge: 329
Ich kenne dieses Programm jetzt nicht, aber alternativ kannst Du Dir ja ein paar Songs vornehmen - Dir bereits bekannte oder etwas Neues von z.B. YouTube - und Dir bestimmte Parts, Akkordfolgen oder kurze Melodiebögen anhören und erst einmal versuchen, die harmonischen Verhältnisse/Intervalle im Kopf zu analysieren und dann mit der Gitarre in der Hand die Akkorde/Melodien nachzuvollziehen. So siehst und hörst Du, wie richtig Deine Einschätzung war. Das ist praxisnäher als vorm PC MIDI-Sounds zu beurteilen.



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