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LOTW - Aufbau von Geschwindigkeit?


Autor Nachricht
Verfasst am: 02. 12. 2009 [15:26]
ReinerEz
Themenersteller
Dabei seit: 11.07.2009
Beiträge: 99
Hallo Bernd,

ich weiß nicht was du von dem Thema allgemein hältst, aber was hältst du von einer Lesson die sich mit dem Thema "Wie baue ich Geschwindigkeit auf" beschäftigt? Beispielsweise mit Techniken wie Tremolo Picking und allgemeinen Übungen/Techniken/Tipps die das ganze etwas forcieren könnten.

MfG
Reiner
Verfasst am: 04. 12. 2009 [13:21]
arky
Moderator
Dabei seit: 21.04.2009
Beiträge: 329
Reiner,
sicher weißt Du bereits selbst, was hier sinnvoll/erforderlich ist. Ich beschreibe hier trotzdem mal ein paar Empfehlungen.

1) Disziplin, System, Hartnäckigkeit, Geduld, Präzision. - Nichts neues, gell icon_wink.gif ? Das muss sich jeder auch fortgeschrittene Gitarrist immer wieder neu ins Gedächtnis rufen - ich jedenfalls, weil ich öfters mal Hängephasen und Motivationsmangel habe, was vermutlich normal ist.

Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass sich Geschwindigkeit tatsächlich als "Nebenprodukt" von präzisem Spielen/Üben ergibt. Nur will man natürlich gleich irre schnell spielen können, ohne hierfür (wie es sich "gehört") erst einige Jährchen diszipliniert zu trainieren, wie z. B. Paul Gilbert usw. etc. pp.

2) Jeder hat unterschiedliche Zeiten, zu denen man am besten/effektivsten übt. Mancher gerne morgens noch vor der Arbeit, andere gerne spät abends. Wenn Dir eine feste Zeit zusagt, dann halte ich möglichst daran.

3) Trotz allem Üben sollte man auch andere Elemente integrieren bzw. Ablenkung einbauen: Improvisation, einfach spielen (= neue Ideen?), Blattspiel/Notenlesen üben, zu ansprechenden Songs mitspielen.

4) Jede Übungssession mit einem Warm-Up beginnen, dann kommt man schneller auf Touren und hat mehr vom Üben. Früher habe ich das regelmäßig _nicht_ gemacht. Folge: Wenn ich z. B. 1-1,5 h geübt habe, waren meine Hände oft erst nach ca. 45 Minuten richtig warm bzw. erst dann habe ich richtig gemerkt, dass die Koordination/Synchronisation deutlich leichter wurde. Hätte ich mich z. B. nur 5 min aufgewärmt, hätte ich die restliche Session auf höchstem Level durchziehen können. Also in Sachen Warm-Up nicht an der falschen Stelle sparen.

5) Übungen/Sequenzen usw. stets als "Closed-Circle"-System konzipieren, d. h. das Spielen in Endlosschleife ist möglich. Oder bei Übungen, die auf dem Griffbrett auf und ab verschoben werden, einen "Übergang" komponieren bzw. hierzu ein paar Noten einbauen oder anpassen, um nahtlos in die nächste Lage zu wechseln und nicht nach z. B. 10 Sekunden immer anhalten zu müssen, "weil die Übung so im Buch steht oder so und nicht anders im Video zu sehen ist".

6) Wenn die Abläufe/Sequenzen an sich sitzen, Du aber trotzdem mehr Speed erzeugen willst: Fordere Dich mit dem Metronom heraus und übertreibe es! Taste Dich mit dem Metronom erst einmal an Deine "normale Grenze", bei der noch ein sauberes Spiel möglich ist, und das in kleinen Intervallen von je 4-8 BPM. Dann gehst Du einfach 10 BMP rauf und probierst einfach, zu diesem an sich zu schnellen Tempo mitzuspielen. Klar klappt das nur wenige Sekunden, aber das ist der Sinn der Sache. Pause, sich neu konzentrieren, 2. Versuch usw. Nach ein paar dieser Gewalt-Parts das Metronom 20-30 BPM reduzieren und von dort an wieder allmählich in kleineren Schritten steigern. Vermutlich wirst Du, wenn Du wieder an die Schmerzgrenze kommst, dies als etwas leichter empfinden als beim 1. Versuch. Das ist der Sinn der Sache!

7) Empfehlung von Troy Stetina (u. a. "Speed Mechanics for Lead Guitar"): Practice in bursts! Also das Spielen in kurzen, abgehackten Notensequenzen, die aber maximal schnell. Das sind dann so 3-8 Noten, etvtl. etwas mehr, die man mit kurzer Pause, ähnlich wie unter 6) beschrieben, maximal schnell spielt. Dann, nach einer weiteren Pause, spielt man diese Auszüge wieder in einem größeren Kontext und es sollte leichter fallen.

icon_cool.gif Beim Erlernen schwieriger Passagen führt kein Weg daran vorbei, erst einmal so langsam wie nötig anzufangen. Wenn man dies tatsächlich befolgt, kommen die Fortschritte oft erfreulich schnell. Was man aber schlampig einstudiert, wird man so schnell nicht los... Troy Stetina meint im obigen Lehrbuch, dass "Sch...e", die man 100x (von mir aus auch schnell), beim 100. Mal nicht dadurch besser spielt, weil man es eben schon 100x gespielt hat. Wenn man aber ab dem 1. Mal richtig/sauber beginnt und sich nur allmählich steigert, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch beim 100. Mal immer noch sauber spielen, zudem mit deutlichem Tempo-Zuwachs.

9) Wieder Stetina: Er bringt den Begriff "transition time" ins Spiel. Das ist die Zeit zwischen zwei Noten, in der an sich nichts Brauchbares erklingt/zu hören ist. Diese "transition time" kommt bei Dir genauso wie bei Yngwie Malmsteen vor. Was ist der Unterschied? Die Profis haben ihre "transition time" optimiert. Wie das geht? Indem man bereits beim langsamen Spiel darauf achtet, die Übergänge zwischen den Noten möglichst kurz zu halten bzw. jede Note maximal lang klingen zu lassen. Das ist die kürzestmögliche "transition time". Die bleibt immer gleich, auch wenn man Vollgas gibt. Je schneller das Spiel, desto weniger Zeit steht für die Noten zur Verfügung, wobei aber die "unbrauchbaren Zwischenzeiten" gleich bleiben. Daher ist es wichtig, diese Wechsel möglichst kurz zu gestalten, was nur durch konzentriertes Üben geht, bis sich alles verselbstständigt.

Du siehst, jede Menge Binsenweisheiten. Wie sollte es auch anders sein? icon_wink.gif

Trotzdem gibt es immer wieder Leute, die einfach unfassbar schnell sind - und hier bestimmt anatomisch oder vom Nervensystem her begünstigt sind: Shawn Lane (R.I.P.), Al diMeola, Rusty Cooley... Diese Leute sind noch um einiges schneller als z. B. John Petrucci!! Und der hat seine Hausaufgaben mit Sicherheit gemacht. Also: Irgendwo hat jeder seine Grenze und ganz ehrlich: Eine gute Technik oder schnelles Spiel ist keine Garantie für gute Musik, allenfalls eine (wie ich meine) große Hilfe.

Viel Erfolg!
Verfasst am: 04. 12. 2009 [14:08]
ReinerEz
Themenersteller
Dabei seit: 11.07.2009
Beiträge: 99
Ok Arky, mit den Binsenweisheiten hattest du absolut recht. Ein paar von den aufgeführten Punkten macht man auch unbewusst, wie das "closed-circle" - System. Aber im großen und ganzen war nichts neues dabei für mich, abgesehen von "playing in bursts". Obwohl mir hier auch aufgefallen ist, das es teilweise relativ leicht ist drei, vier Noten in der schnelleren Geschwindigkeit zu spielen, aber es bei längeren Läufen dann doch deutlich hakt.

In meinem aktuellen Fall ist es so, dass ich seit August letzten Jahres spiele. Ich habe ein Instrumental geschrieben, an dem ich nun schon ein dreiviertel Jahr mit Unterbrechungen übe. Meine aktuelle Grenze liegt so bei knapp 90bpm bei 16tel Noten. Bei vereinzelten Licks, bin ich einige wenige bpm schneller. Momentan übe ich trotzdem mit 80bpm. Die Zielgeschwindigkeit wären 120bpm, aber ich denke, dass wird sich noch etwas ziehen icon_wink.gif Theoretisch könnte ich die zwei schnelleren 16tel Läufe auch mit Hammer Ons spielen, da komme ich schon (nach einer Koordinationsoptimierung) ran aber ich wollte gezielt diese "harten" Pickanschläge bei den Licks.

Aber danke, dass du dir den Aufwand gemacht hast. Ich bin sicher, dass für viele etwas neues dabei war.



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